„Integration“ ist eines dieser Wörter, die scheinbar wie selbstverständlich verwendet werden. Eines dieser Wörter, von denen eigentlich jeder genau weiß, was sie bedeuten. Aber erklären – können wir es nicht. Es ist ein schon fast so banal einfaches Wort, dass es schwerfällt, die Bedeutung in Worte zu fassen.

Für mich persönlich ist Integration eindeutig positiv konnotiert. Ich assoziiere damit die Einbeziehung fremder Menschen in eine Gesellschaft, die Aufnahme von Zugezogenen in ein Land und das Zusammenleben verschiedener kultureller oder religiöser Gruppen nebeneinander. Dabei geht es in meiner Auseinandersetzung mit dem Begriff vorrangig um Zuwanderer aus einem anderen Land, da diese Thematik unser Projekt am meisten betrifft. Auch wenn ich in den Medien über das Wort stolpere, geht es meist um die Schaffung von Zusammengehörigkeitsgefühl und Chancengleichheit, um Teilhabe von weniger in der Gesellschaft vertretenen Menschen am eben jenen gesellschaftlichen Leben. Klingt ja erst mal gut.

Wenn wir tiefer in die Wortbedeutung eintauchen, wird auch deutlich, dass meine Vermutung fast ins Schwarze getroffen hat. Jedenfalls wenn der Begriff im Sinne der Soziologie, also der Wissenschaft, die sich mit sozialen Verhaltensmustern beschäftigt, betrachtet wird. Integration kommt vom lateinischen Wort „integratio“, welches „Erneuerung“ bedeutet. Gemeint ist damit aber eigentlich keine Erneuerung der Gesellschaft, sondern eher eine Vergrößerung der Gesellschaft durch Zusammenfügung verschiedener Gruppierungen und somit eine stetige (Weiter-)Entwicklung eben dieser Gesellschaft. Meistens sollen Personen einbezogen werden, die in ein Land zugewandert sind und dadurch einen anderen kulturellen Hintergrund sowie andere Wertvorstellungen haben. Und Integration bedeutet vor allem auch, dass sie gleichberechtigt sind und nicht aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen oder Opfer von Diskriminierung werden.

Wie bei allen komplizierten Wörtern gibt es natürlich auch verschiedene Ebenen. Die strukturelle Integration umfasst die Chancengleichheit von Zuwanderern, sprich eine Gleichberechtigung auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt. Die kulturelle zielt – wenn auch natürlich nur teilweise – auf die Übernahme der gesellschaftlichen Normen und damit eine Eingliederung in das Werteverständnis. Die soziale bedeutet zu guter Letzt, dass die Gruppierungen freiwillig einen persönlichen Umgang miteinander schaffen, das heißt also auch in ihrem Privatleben aufeinandertreffen und offen miteinander kommunizieren. Insgesamt soll also mit der Integration von Zuwanderern erreicht werden, dass diese gleichberechtigt mit den „Einheimischen“ sind, also genau den gleichen Lebensstandard, die gleichen Chancen und die gleiche Bildung erfahren und sich auch zugehörig zu ihrer „neuen“ Gesellschaft fühlen. Also eine „neue Einheit“ bilden.

Es kann passieren, dass einige Aspekte der Integration negativ „aufgeschnappt werden“. Auch ich war zwischenzeitlich skeptisch, ob Integration wirklich „ach so toll“ ist, wie sie in den Medien transportiert wird. Es klingt fast so, als sollte die Kultur der zugewanderten Gruppierung abgelegt, das Werteverständnis komplett umgepolt und am Ende sogar die Religion gewechselt werden. Denn wenn eine Gesellschaft Menschen integrieren möchte, stellt sie automatisch bestimmte Erwartungen bzw. Voraussetzungen an diejenigen. Doch es handelt sich bei der Integration nicht um eine Anpassung einer Gruppe an eine andere, sondern „lediglich“ um die Schaffung einer neuen Gesellschaft, in der die Werte und Kultur der (noch) außen stehenden Gruppe eingebracht werden und diese dennoch weiterhin an ihrer Religion und Identität festhalten kann, sich gleichsam aber selbstredend dennoch ebenso anpasst.
Dabei gibt es immer einen gewissen Grundkonsens. So müssen sich selbstverständlich alle, die in diesem Land leben, an die Gesetze halten. Erwartet wird auch, dass Neuankömmlinge die – in unserem Fall deutsche – Sprache lernen, was auch meiner Meinung nach nötig ist, um dauerhaft in einem Land sesshaft zu werden und vor allem um einen guten Lebensstandard mit einem sicheren Einkommen und gesellschaftlicher Teilhabe zu erfahren. Auch Ahnung von der Geschichte und dem Staatsaufbau des Landes zu haben leuchtet mir ein, um sich beispielsweise seiner Bürgerrechte bewusst zu sein oder sich nicht unwissend strafbar zu machen.

Sind also alle diese Voraussetzungen erfüllt, ist die Integration schon voll im Gange, oder? Leider nicht, denn dafür müssen sich nicht nur die Zuwanderer bemühen, sondern auch die Menschen, die im Land geboren sind. Sicherlich ist es nicht einfach, eine vollständige Integration zu schaffen, denn es müssen sich beide „Parteien“ bemühen und auch dann kann es immer noch zu Missverständnissen und Problemen kommen. Doch auch diese sind immer überwindbar, wenn ein paar grundlegende Dinge beachtet werden. Es darf beispielsweise weder am Willen der Zuwanderer scheitern, die Sprache zu lernen und einem neuen Land mit seiner Kultur und seiner Wertewelt offen gegenüber zu stehen, noch darf es an dem Willen der „Einheimischen“ scheitern, Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund in die Gesellschaft aufzunehmen. Vorurteile kann und wird es dabei auf beiden Seiten geben. Wichtig ist auch über diese zu reden und sich von ebendiesen nicht abschrecken zu lassen.

Genau das ist der Punkt, der unheimlich wichtig ist und auch weiterhin wichtig sein wird. Denn Integration ist die Grundlage für ein friedliches Leben mit- und nicht nebeneinander. Genau dafür ist der Austausch und das gegenseitige Aufeinander zugehen das Entscheidende. Nur so kann sie gelingen, die Integration. Ein Kompliziertes Wort mit einer großen Bedeutung. Und gut, mal genau zu wissen, wovon eigentlich so oft die Rede ist.

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